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18-05-19 19:25 Alter: 92 Tage

Homo Deus - eine Geschichte von morgen?

Kategorie: Geschichte, Wissenschaft

Eine Rezension

Harari und sein Buch
Harari und sein Buch

Bei Büchern, die von führenden Medien in den Himmel gelobt werden, liefern kritische Rezensionen der großen Internetverkaufsplattformen zumeist aufschlußreichere Bewertungskriterien, als die Lobeshymnen des Mainstreams. Im Falle des als „Wissensbuch des Jahres“ ausgezeichneten und mit dem  „Deutschen Wirtschaftsbuchpreis“ bedachten Buches „Homo Deus“ werden von Kritikern vor allem zwei Punkte bemängelt: Die häufigen Redundanzen, also Wiederholungen, und die Unfähigkeit des Autoren, angeschnittene Themenkomplexe tiefer zu beleuchten. Daß der erste Kritikpunkt zutreffend ist, bemerkt der Leser sehr schnell. Für die ebenso einfache wie unzutreffende Behauptung, derzufolge die Menscheit im 21. Jahrhundert kurz davor stehe, Kriege, Krankheiten und den Hunger völlig auszurotten, benötigt Autor Yuval Haari knappe 112 Seiten. Am Ende dieser quälenden Bleiwüste läßt der Verfasser dann die Katze aus dem Sack: Der Mensch von morgen wird nach Unsterblichkeit streben und sich so zu einem Übermenschen, einem Wesen, gleich der antiken Göttermythen, entwickeln.     
Auch der zweite Vorwurf der Negativrezensenten erweist sich im Laufe der Lektüre als stimmig: Der israelische Autor schneidet bei seinem Versuch, den Weg des Menschen vom abergläubischen Naivling zum Übermenschen des 21. Jahrhunderts zu skizzieren, eine Menge Themen an und gibt eigene Antworten auf aufgeworfene Fragen, bleibt dabei aber stets an der Oberfläche.
Obgleich sich Harari als einen Vorreiter der modernen Wissenschaftlichkeit stilisiert, ist sein Buch geprägt von einem zwar durchaus unterhaltsamen, aber oft ins Anekdotenhafte abgleitendem Duktus. Seine Lieblingswissenschaft ist offensichtlich die Evolutionslehre, was a priori nicht verwerflich ist. Daraus aber leitet er ab, daß alles, was für ihn nicht mit der Evolutionstheorie zu vereinbaren ist, folglich nicht existieren kann: Eine Seele genausowenig wie Gott oder eine Schöpfungskraft. Gott sei im übrigen, so Harari, schon seit dem 20. Jahrhundert tot, nämlich seitdem die Wissenschaft ihn widerlegt habe. Wann genau das passiert sein soll, darüber schweigt Harari. Hier wie im weiteren Verlauf des Buches tritt die auf ein streng mechanisch-modernistisches Weltbild reduzierte Auffassungsgabe des Autoren deutlich hervor. Weder Universum noch Leben an sich hätten einen tieferen Sinn, sondern seien lediglich dem Zufall geschuldet. Daß Harari damit vor allem in Bezug auf die Frage, woher denn die Materie für den Urknall stammen soll, einfach nur Gott durch den Zufall ersetzt, kommt ihm nicht in den Sinn. Gott und Götter sind dem Wissenschaftsapologeten auch nur als lebendige Wesen vorstellbar, wie sie in den heiligen Büchern diverser Religionen beschrieben werden. Diese Buchstabentreue hält den Autoren allerdings nicht davon ab, diese Werke als Dokumente des früheren Aberglaubens genüßlich zu sezieren. Der Unterschied zum Tier besteht für Harari dabei in der Fähigkeit des Menschen, mit unzähligen, auch fremden Menschen flexibel zu kooperieren, was Tiere nicht könnten. Daß andere Dinge bei der Unterscheidung viel wesentlicher sind, etwa die Schöpfung von Kunst oder die Frage nach einem Sinn, die sich nur dem Menschen stellt, spielen für den Autoren keine Rolle.   
Auch Nationen existieren für Harari nur in der Vorstellung einiger Menschen. Daß Nationen aber ebenfalls zumeist einen Evolutionsprozeß durchlaufen und quasi biologisch wachsen, übersteigt Hararis Horizont.
Ein typisches Beispiel der vermeintlich wissenschaftlichen Beweisführung des Autoren sei hier herausgegriffen: „...Der deutsche Nationalist wünsche sich, daß die Welt von Berlin regiert werde.“ Hararis Herleitung: Seine Definition eines Nationalisten ist die eines Menschen, der sein Land vor alle anderen stellt und insgeheim wünscht, die Welt werde von seinem Land regiert. Damit liegt der Autor jedoch gleich doppelt daneben: Denn weder ist ein Nationalist automatisch auch Imperialist, also auf eine Expansion seiner Nation ausgerichtet, noch ist jeder Nationalist auch zufrieden mit der Arbeit der amtierenden Regierung. Was für den türkischen Nationalisten derzeit zutreffen dürfte, ist für den deutschen völlig abwegig, müßte er doch dann begrüßen, daß eine Frau Merkel nicht nur Deutschland, sondern gleich die ganze Welt in den Abgrund führt.
Viel realistischer als Nationen sei Harari zufolge aber  der Glaube an das stetig steigende Wirtschaftswachstum. Da ja die Menschheit beständig wachse und zugleich Technik und Wissenschaft immer weiter voranschritten, sei Wirtschaftswachstum ebenso natürlich wie unendlich. Daß nicht nur dem Wachstum der Menschheit, sondern auch dem Wachstum der Produktion natürliche Grenzen gesetzt sind — nämlich die der vorhandenen Ressourcen — ist für Harari lediglich eine neue Herausforderung für die Menschheit, etwas Neues zu erfinden, um Wohlstand für alle zu erreichen. Daß die Menschheit aber in den letzten 50 Jahren auf den Gebieten der Energiegewinnung und Technik nichs wesentlich Neues erfinden konnte, verschweigt Harari. Und auch die vom Autoren hochgelobte Steigerung der Lebensmittelproduktion durch Gentechnik könnte sich noch als das genaue Gegenteil eines sinnvollen Fortschritts erweisen.
Der von Harari abgelehnt göttliche Sinn, wandelt sich in seinem Buch schließlich zu einem modernistischen Un-Sinn des Glaubens an die neuen vermeintlichen Heilsbringer Kapitalismus und Humanismus. Vieles, was hier als wissenschaftlich verbrämte Weisheit daherkommt, entpuppt sich bei einem genaueren Blick dann auch allzu oft als Rabulistik oder kompletter Unfug.
„Die moderne Kultur“ so etwa Hararis Zwischenfazit, „lehnt diesen Glauben an einen großen kosmischen Plan ab... Unserem wissenschaftlichen Verständnis zufolge ist das Universum ein blinder und zielloser Prozeß voller Lärm und Wildheit, aber ohne Bedeutung. Während unseres unendlich kurzen Aufenthalts auf unserem winzigen Planeten ärgern wir uns über dieses und sind stolz auf jenes, und dann verschwinden wir auf Nimmerwiedersehen.... Wenn andererseits das Leben einfach so ist, ohne Drehbuch oder Zweck, dann sind die Menschen auch nicht auf irgendeine vorgegebene Rolle beschränkt. Wir können tun, was wir wollen — vorausgesetzt, wir finden eine Möglichkeit. Nichts setzt uns Schranken außer unserer eigenen Unwissenheit... Nach dem Tod wartet kein Paradies auf uns, aber wir können ein Paradies hier auf Erden schaffen und darin ewig leben, wenn wir nur ein paar technische Schwierigkeiten überwinden. .. Neue Technologien werden das Wirtschaftswachstum antreiben und eine wachsende Wirtschaft kann noch mehr Geld in die Forschung stecken. Mit jedem neuen Jahrzehnt werden wir mehr zu Essen, schnellere Verkehrsmittel und bessere Medikamente haben. Eines Tages wird unser Wissen so umfassend und unsere Technologie so weit fortgeschritten sein, daß wird das Elixier ewiger Jugend, wahren Glücks oder jedes andere gewünschte Mittelchen zusammenmixen können - und kein Gott wird uns aufhalten.“
Entgegen dieser naiv-fortschrittsgläubigen Hymne auf den Menschen von Morgen, muß in der Realität konstatiert werden, daß die Menschheit derzeit von einer akut steigenden Anzahl kriegerischer Konflikte betroffen ist und sogar die Gefahr eines großen Krieges zwischen den USA und Rußland nie so akut war wie heute. Ebenso steigen die Sterberaten durch Seuchen wieder an. So sind derzeit etwa 17 % aller jährlichen Sterbefälle auf Infektionskrankheiten zurückzuführen, hinzukommen weitere 7 % der jährlich Versterbenden, die Aids oder Tuberkulose zum Opfer fallen. Angesichts dieser Fakten von einer kurz bevor stehenden Ausrottung der Krankheiten zu sprechen ist schlichtweg Unsinn. In dieselbe Kategorie fällt der Gedanke, der Mensch könne irgendwann Unsterblichkeit erreichen, was angesicht des Körperaufbaus auf Grundlage sich teilender Zellen gar nicht möglich wäre - lediglich ein Hinauszögern des Sterbens liegt hier im Bereich des Machbaren.  
Zwar streut Harari im letzten Teil seines Buches auch immer wieder Warnungen vor einem Mißbrauch der neuen menschlichen Möglichkeiten ein und  warnt explizit vor einer Masse nutzloser Menschen, der eine kleine Elite optimierter Übermenschen gegenüberzustehen drohe.
Allerdings erscheinen seine Bedenken, die er dann auch allzu schnell entkräftet, lediglich vorgeschoben und den Leser beschleicht im Laufe der Lektüre das ungute Gefühl, daß Harari dieser Schreckensvision gegenüber gar nicht so negativ eingestellt ist.  
Warum aber dieser Hype um diesen wohl nicht zufällig an des Satanisten Aleister Crowleys Credo „Tu was du willst“ erinnernden Abgesang auf jede Spiritualität und Göttlichkeit? Der Mensch der Zukunft, so die naheliegende Antwort, soll sich damit abfinden, sein Heil nur auf Erden und materiell zu erwarten, und zwar von Gnaden der herrschenden Eliten, die ihn in den Genuß von Wohlstand und vermeintlicher Unsterblichkeit kommen lassen können — sofern er entsprechend spurt.
So wie das Christentum das Himmelreich und der Kommunismus das Arbeiter- und Bauernparadies versprochen haben, watet auch Harari mit einem zuvor so emsig bekämpften und verlachten Heilsversprechen auf: Du kannst alles schaffen, selbst ewig zu leben, dafür aber verzichte auf  Nationen, auf Glauben und vor allem wohl auf Moral. So wird auch verständlich, warum dieses Buch von den Massenmedien in den Himmel gelobt wird. Harari kann immerhin zugestanden werden, eine Bibel des multikulturellen Massenmenschen erschaffen zu haben, der sich losgelöst von jeglichem National-, Kultur- und Moralempfinden als Herdenmensch dem Willen der selbst ernannten Elite unterwerfen darf und sich dabei noch als besonders privilegiert empfindet.


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