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12-08-17 22:27 Alter: 3 Jahr/e

Das "Weiße Pferd" von Uffington - bronzezeitlich

Kategorie: Geschichte, Wissenschaft

Das Pferd als Symbol des früheuropäischen Sonnenkultes


Die als „Weißes Pferd“ von Uffington bekannte, riesige, in den Hügel gescharrte Geoglyphe in Britannien soll einem britischen Archäologen zufolge ein kultisches Sonnenpferd darstellen.
Bislang hatten Forscher vermutet, daß das Pferd erst in der Eisenzeit (nach 1000 v. Chr.) als eine Art Stammeszeichen geschaffen wurde. Diese Erklärung schließt der Archäologe Joshua Pollard von der University of Southampton in einem Fachartikel nun aus. Nach Untersuchung von Lage und Kontext des Pferdes, entdeckte er gleich mehrere Indizien gegen die gängige Stammeszeichen-Theorie und für eine eher rituell-religiöse Bedeutung des Weißen Pferdes.
Vor allem die Position der Geoglyphe weckt Zweifel: Das Pferd liegt so auf der Hügelkuppe, daß es eigentlich nur aus der Luft vollständig zu sehen ist. Vom Boden aus sieht man nur Teile.  Wenn dieses Pferd aber als Stammeszeichen und Markierung des Territoriums gedacht war, so Pollards Frage, warum scharrte man das Bild dann nicht in den steileren Hang des Hügels statt auf den nur sanft geneigten Teil?
Diese Frage führte den Archäologen zu der Feststellung, daß der Körper des Pferdes nicht parallel zu den Konturen des Hügels liegt, sondern leicht hangaufwärts angeordnet ist. Dadurch wirkt es, als wenn das Pferde gerade den Hügel hinauf galoppiert – direkt auf weitere prähistorische Relikte und den westlichen Horizont zu. Doch nicht nur das: „Es galoppiere“, so Pollard, „entlang des Weges, den die Sonne zur Zeit der Wintersonnwende nehmen würde.“
Die Erklärung des Archäologen:  Das Weiße Pferd stellt ein „Sonnenpferd“ dar, wie es in den religiösen Vorstellungen der europäischen Bronzezeit des Festlandes weit verbreitet war. Es repräsentiert das Pferd, das den mythischen Sonnenwagen zog, wie es auch auf dem im heutigen Dänemark gefundenen „Sonnenwagen von Trundholm“ dargestellt ist.
„Der Glaube an eine göttliche Sonne, die bei Tag in einem Pferdewagen über den Himmel gezogen wird und bei Nacht mittels Boot oder Kutsche durch die Unterwelt reist, ist ein wiederkehrendes Motiv in indoeuropäischen Mythologien“, erläutert Pollard. Sein Zweck war eher ritueller Natur und daher war die korrekte Ausrichtung auf den Himmel das Entscheidende. „Seine Position auf den Berkshire Downs hatte für seine Erschaffer wahrscheinlich eine immense religiös-kultische Bedeutung“, meint der Archäologe. Das Weiße Pferd sei wahrscheinlich ein Ort gewesen, an dem bestimmte Rituale zu Ehren der Sonne stattfanden.
(Antiquity, 2017; doi: 10.15184/aqy.2016.269)


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